Die SYSVOL-Replikation unter W2K8 und höher

Best Practice

Falls Sie eine Domäne unter Windows Server 2008 neu aufgebaut und von Anfang an den Domänen-Modus „Windows Server 2008“ gewählt haben, muss Sie diese „Best Practice“ nicht interessieren. Falls jedoch (wie in den meisten Fällen) eine Migration auf Windows Server 2008 von einer vorherigen Version von Domänencontrollern gemacht wurde, so sollte dieser Tipp unbedingt beachtet werden!

Unter den Vorgängerversionen von Windows Server 2008 werden die Inhalte des Sysvol-Ordners über den relativ unstabilen und anfälligen FRS (File Replication Service) abgeglichen. Dies führt oft zu Inkonsistenzen der Inhalte und der zugrundeliegenden Datenbank, welche mühsam über das Bur-Flag in der Registrierung aufgelöst werden mussten. Dies gilt auch dann, wenn eine neue Windows Server 2008-Domäne aufgebaut, jedoch nicht von Anfang an im entsprechenden Modus betrieben wird!

Wenn Sie Ihre Domäne also nicht von Anfang an im einheitlichen Modus von „Windows Server 2008“ betreiben, sollten Sie in jedem Fall eine manuelle Migration von der FRS- zur DFS-Replikation durchführen. Der Vorteil liegt nicht nur in der Tatsache, dass die Replikation über das DFS (Distributed File System) stabiler und mit mehr Konsistenz betrieben werden kann, sondern auch darin, dass dabei nicht mehr die ganzen Dateien, sondern lediglich die geänderten Deltas dieser Dateien repliziert werden.

Diese manuelle Migration ist jedoch nicht allzu schwierig, da hierzu ein Tool von Microsoft namens „dfsrmig.exe“ bereitgestellt wird. Bevor dieses jedoch zur Anwendung kommt, sollten wir uns zuerst einmal den Prozess dahinter genauer visualisieren – es handelt sich immerhin um eine „Operation am offenen Herzen“. Diese Migration besteht grundsätzlich aus vier Phasen:

  1. Start (Starten)
  2. Prepared (Vorbereiten)
  3. Redirected (Umgeleitet)
  4. Eliminated (Entfernt)

Diese Phasen sind mit dem echten Leben vergleichbar. Nehmen wir einmal an, dass ein Benutzer namens Fred bald pensioniert wird. Seine Stelle wird künftig der neue Mitarbeiter namens Max übernehmen. Auch diese Migration ist nicht ganz so einfach zu bewerkstelligen. In der Start-Phase arbeitet Fred immer noch in seinem Aufgabenbereich und erledigt ganz normal seine Arbeit. Während der Prepared-Phase schaut ihm Max über die Schulter und versucht zu verstehen, was er da so genau macht – die Arbeit wird jedoch immer noch durch Fred erledigt. In der Redirect-Phase werden die Rollen ein erstes Mal getauscht – Max übernimmt die Arbeit und Fred schaut ihm über die Schulter, um diese zu kontrollieren. Sobald alle mit dem Fortschritt zufrieden sind, kann Fred in der Eliminated-Phase (klingt sehr bitter) endlich in den Ruhestand und Max kann die Arbeit eigenständig weiterführen.

Übertragen auf Windows und die Sysvol-Replikation bedeutet dies folgendes: In der Start-Phase arbeitet FRS exklusiv. Während der Prepared-Phase übernimmt DFS die Replikation parallel zum FRS-Dienst. Die ausschlaggebende Replikation erfolgt jedoch weiterhin durch den FRS-Dienst. In der Redirected-Phase übernimmt DFS die Replikation in der Produktion – FRS läuft jedoch weiterhin parallel dazu. Erst in der Eliminated-Phase wird der FRS-Dienst deaktiviert und DFS ist ab diesem Zeitpunkt exklusiv für die Sysvol-Replikation verantwortlich.

Hinweis

Die jeweilige Phase (der Status der Migration) wird im Active Directory als „Global Migration State“ vermerkt, so dass alle Domänen-Controller im Bilde sind.

Ein Rollback ist bis und mit der dritten Phase jederzeit möglich – d.h. so lange, bis der FRS-Dienst eliminiert wird. Vor diesem letzten Schritt sollte also tunlichst noch einmal die korrekte Funktionsweise der Replikation überprüft werden.

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