Ordnerumleitung: Manchmal meint es Windows einfach zu gut…

Das Feature der Ordnerumleitung ist schon an vielen Orten seit langer Zeit im Einsatz. Auch ich benutze diese Funktion immer wieder gerne in der Praxis und versuche damit, die Grösse der servergespeicherten Profile zu optimieren. Ein grosses Manko von Ordnerumleitungen war jedoch bisher immer, dass die Kontingente nicht optimal auf die Ordnerstruktur angewendet werden konnten.

Folgendes Szenario soll das nochmals kurz erläuern:

Ich würde gerne den Desktop, sowie die Dokumente (Eigene Dateien) eines Benutzers auf ein Netzlaufwerk umleiten. Für dies habe ich die folgende Freigabepfade und Ordner vobereitet: \\ServerA\Freigabe\%username%\Desktop und \\ServerA\Freigabe\%username%\Dokumente und schon mit den korrekten Berechtigungen versehen. Dies mache ich eigentlich immer so und lasse die Ordner nur ungern von Windows selbständig erstellen. Denn nur so, kann ich von Anfang an diejenigen Berechtigungen vererben, welche ich auch effektiv für die Ordner haben möchte. Es kann für mich nicht sein, dass der Benutzer exklusive Rechte auf diese Ordner erhält – wie soll denn da ein Helpdesk helfen können…

Nun würde ich jedoch gerne die Dokumente-Ordner mit maximal 50 MB Speicherkontingent belegen. Auf dem Desktop sollen zudem nur Links gespeichert werden – deshalb gebe ich dort nur ein Kontingent von ca. 100 KB…

Nun kommen wir zum Problem: Wie soll man so etwas mit den Bordmitteln von Microsoft einrichten??? Es ist schlichtweg nicht auf eine automatisierte Art und Weise möglich! Der Grund: Ich kann auf dem Ordner der Freigabe selbst ein „AutoQuota“ einrichten, welches für jedes darunter neu erstellte Verzeichnis ein bestimmtes Speicerkontingent anwendet. Leider wird dieses so jedoch auf die Ordner mit den Benutzernamen angewendet und kann nicht zwischen „Desktop“ und „Dokumente“ differenziert werden. Es führt also in dieser Ordnerstruktur nichts an einem Script vorbei – ausser man möchte für jeden Benutzer die Kontingente von Hand definieren (für beide Ordner)…

Deshalb habe ich mir folgendes Vorgehen in diesen Situationen ausgedacht: Ich erstelle einfach zwei verschiedene Ordnerstrukturen, damit ich mit „AutoQuotas“ arbeiten kann:

So klappte dies immer wunderbar – bis das böse Windows Vista und Server 2008 kam… Da weht nämlich ein leicht anderer Wind, der jedoch den Benutzer nicht daran hindert, die Ordnerumleitung immer noch genau gleich lauffähig zu haben. Dieser „andere Wind“ fällt erst dann auf, wenn sich ein Administrator einmal den Inhalt des „Desktop“- oder „Dokumente“-Verzeichnis genauer anschaut, nachdem sich die Benutzer mindestens einmal erfolgreich angemeldet haben. Die darunterliegenden Verzeichnisse hatten ja standardmässig einmal den Namen des Benutzers – so hatte ich diese zumindest einmal erstellt. Nach der ersten Anmeldung werden diese jedoch von Windows automatisch neu dargestellt – und zwar mit dem Namen „Desktop“ oder mit dem Namen „Dokumente“. Somit habe ich unter diesen Ordnern plötzlich unzählige Ordner mit dem Namen „Desktop“ oder „Dokumente“ – obwohl dies eigentlich gar nicht möglich sein dürfte…

Was ist passiert? Ganz einfach: Wenigstens wissen wir damit schon einmal eines: Die Ordnerumleitung hat funktioniert! Soviel mal zu den guten Nachrichten. Nun zur Schlechten: Im umgeleiteten Ordner erstellt Windows Vista und höhe automatisch eine Datei namens „Desktop.ini“. Diese beinhaltet auch die Information, um welche Art von Bibliotheksordner es sich handelt. Entsprechend wird der Anzeigename des Ordners automatisch angepasst – und zwar in diejenige Sprache des Betriebssystems, welches sich gerade die Ordnerstruktur anzeigen lässt. Das ist eigentlich extrem cool – aber in dieser Konstellation einfach nur unpassend für einen IT-Guy… Microsoft meint es hier einfach zu gut mit uns…

Fakt ist, dass der effektive Ordnername immer noch derjenige ist, welcher ihm original gegeben wurde. Wenn man also versucht, einen Ordner mit demselben Namen neu zu erstellen, dann haut Microsoft uns eins auf den Finger und meldet kleinlaut, dass es schon einen solchen Ordner gäbe… Naja: Dann zeig diesen doch auch so an ;-D!!!

Es gibt dafür drei Workarounds (+ meiner Meinung nach der Beste weiter unten in diesem Artikel):

  1. Der Benutzer ist der Besitzer des Ordners und hat exklusive Berechtigungen darauf (das ist gegeben, wenn die Ordner nicht zuvor durch ein Script o.ä. erstellt werden – jedoch ist dies für mich KEINE Option, da so der Helpdesk, etc. auch keine Berechtigung auf den Ordner hat und somit nicht helfen kann, wenn mal etwas nicht stimmen sollte)…
  2. Den administrativen Benutzern wird auf die Datei „Desktop.ini“ in jedem umgeleiteten Ordner das Lese-Recht explizit verweigert. Somit kann dieser die Art der Bibliothek nicht mehr auslesen und somit auch keine Anzeigenamenänderung mehr vornehmen.
  3. Man leitet den Ordner einfach noch eine Ebene tiefer um – d.h. man erstellt unter jedem „%username%“-Ordner nochmals einen Ordner z.B. namens „Desktop“ und leitet direkt in diesen um. –> für mich die praktikabelste Lösung – wenn auch unschön…

Hier übrigens noch der passende KB-Artikel von Microsoft zum Thema: http://support.microsoft.com/kb/947222/en-us

Eine Lösung wird jedoch in diesem Artikel NICHT erwähnt, obwohl diese Lösung auch gemäss Microsoft funktioniert:

Man erstelle eine Gruppenrichtlinie, welche sich auf diejenigen Benutzer auswirkt, welche diese umgeleiteten Pfade bewirtschaften sollen. In dieser Gruppenrichtlinie muss die folgende Einstellung auf „DEAKTIVIERT“ gesetzt werden (standardmässig ist diese „aktiviert“):

– Benutzereinstellungen / Richtlinien / Administrative Vorlagen / System / Ordnerumleitung / Bei der Umleitung von Startmenü und eigene Dateien lokalisierte Unterordnernamen verwenden

Diese Einstellung wirkt sich auch auf z.B. die Umleitung des Desktops aus – also nicht nur auf das Startmenü und die eigenen Dateien!

Bleibt mir abschliessend nur noch, Microsoft zu zitieren: „This behavior is by design“ – Juhuu! Super Design!!! ;-D

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2 Gedanken zu “Ordnerumleitung: Manchmal meint es Windows einfach zu gut…

  1. Hi Nic ;-D

    Na klar mache ich weiter – genau solche Kommentare lassen mir es ja fast nicht anders zu. Zudem macht es Spass und die Zugriffszahlen sind nun nach einem halben Jahr von 0 auf Blog schon bei Total 40’000 Sessions! Werde in diesen Tagen noch so einiges veröffentlichen – z.B. zum Thema IPP (Internet Printing), Office-Einstellungen und Profile…

    Grüessli

    André

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